You are here

Die großen Geheimnisse der Finnen

von W. Kuhn, Neukirchen-Vluyn


Seit fast 30 Jahren fahren wir nach Finnland. Abenteuerlich waren die Zeiten, als es noch mit der Finnjet über die Ostsee ging,
oder wir mit unseren drei kleinen Töchtern über Schweden fuhren und einen Tag das Astrid-Lindgren-Land in Vimmerby besuchten.

Den Urlaub verbrachten wir immer im gleiche Haus am See und so nach und nach enträtselten wir fast alle großen Geheimnisse der Finnen.
Mit einem Armschwingen rundum, beantwortete unser Vermieter Matti beim ersten Urlaub unsere Frage nach Mustikka, den finnischen Blaubeeren - Wir konnten tatsächlich einige Gläser Marmelade mit nach Hause nehmen.
Als wir dann aber im nächsten Jahr feststellten, dass rund um das Haus die Blaubeerernte sehr dürftig war, wurden wir von Matti in das erste Geheimnis eingeweiht: Wenige Kilometer entfernt liegt ein Hochmoor. Da gibt es die dicksten Blaubeeren in der Gegend.
Die Blaubeermarmelade, die wir mit nach Hause nahmen, reichte für das ganze nächste Jahr.

Das Geheimnis des Fischfangs zu lüften dauerte einige Jahre länger. Als Vater wollte ich meinen Töchtern zeigen, welch ein begnadeter Fisch-Jäger ich sei.
Sie waren auch über jeden kleinen Fisch begeistert, aber als Ernährer war ich in diesem Punkt ein Versager.
Zu unserem Glück kam Matti alle zwei bis drei Tage mit seinem Ruderboot zu uns und stellte einen kleinen Eimer voller Fische auf den Steg.
Eine Dankesgabe in Form einer Büchse deutschen Bieres erhöhte die Fischrationen.
Als Matti dann Jahre später aus Altersgründen nicht mehr so viel Bier trinken wollte oder nicht mehr so viel Fisch fing, kam er eines Tages zu uns und lüftete ein weiteres, großes Geheimnis.
Es hieß: Professor 2.
Das war der Name des Blinkers, der von Gott für diesen See geschaffen wurde. Er sah harmlos aus, war aber für alle Hechte und Barsche unwiderstehlich.
Von da an war ich selber der Fisch-Jäger, der die Eimer füllen konnte. Unsere Töchter waren zu dieser Zeit leider schon Vegetarierinnen.

Wir verbrachten noch viele schöne Ferien im Sommer und auch einmal im Winter an dem Ferienhaus am See und fahren weiterhin im Sommer ins „Mökki“ und genießen alle Klischees; die Hütte, die Sauna, die Ruhe wenn die Mücken schlafen.

Aber ein großes Geheimnis bleibt noch offen und meine Frau und ich werden es wohl nie erfahren.
Es wird in Finnland wahrscheinlich unter Schweige-Gelübbte von Generation zu Generation weitergegeben.
Wir könnten es nur durch das Einheiraten in eine finnische Familie erfahren. Leider sind unsere Töchter mittlerweile schon vergeben.
Das Geheimnis heißt:
Wo sind die Lichtungen im Wald, auf denen im Herbst die besten Pfifferlinge wachsen?